Definition von Kommunikation

In der Literatur, die sich mit dem Thema Kommunikation befasst, lassen sich zahlreiche Begriffsdefinitionen finden. Im Rahmen dieser Arbeit sollen nachfolgende Definitionen exemplarisch für diese Vielzahl genannt werden.

Paul Watzlawick beschreibt (menschliche) Kommunikation als Medium der Manifestationen menschlicher Beziehungen[1] und setzt jene mit Verhalten gleich, denn schließlich sei „die die kommunikativen Abläufe mitbestimmende Rolle des Kontextes, also der ‚Umwelt‘ jeder Kommunikation, in Betracht zu ziehen. In dieser pragmatischen Sicht ist demnach nicht nur die Sprache, sondern alles Verhalten Kommunikation, und jede Kommunikation – selbst die kommunikativen Aspekte des Kontextes – beeinflusst das Verhalten.“[2] Die Elemente die zur Gestaltung von Unternehmenskommunikation notwendig sind, beziehen sich nicht nur auf die Sprache, sondern auf nonverbale Aspekte, Gestaltungs- und Stilmittel etc. Watzlawick weist in seiner Definition daraufhin, „daß das ‚Material‘ jeglicher Kommunikation keineswegs nur Worte sind, sondern auch alle paralinguistischen Phänomene (wie z. B. Tonfall, Schnelligkeit oder Langsamkeit der Sprache, Pausen, Lachen, Seufzen), Körperhaltung, Ausdrucksbewegung (Körpersprache) usw. innerhalb eines bestimmten Kontextes [Anmerkung: z. B. Kommunikationsziel, Tonalität etc.] umfasst – kurz, Verhalten jeder Art. […] Wenn man also akzeptiert, daß alles Verhalten in einer zwischenpersönlichen Situation Mitteilungscharakter hat, d. h. Kommunikation ist, so folgt daraus, dass man, wie immer man es auch versuchen mag, nicht nicht kommunizieren kann.“[3] Des Weiteren bleibt festzuhalten, dass im Kommunikationsprozess auch immer die Metainformation der Beziehungsdefinition zwischen Sender und Empfänger ein wichtiger Bestandteil ist. Das ist ein interessanter Aspekt in Bezug auf den Wandel der Unternehmenskommunikation: Wie ernst wird der Kunde genommen, versucht sich ein Unternehmen kommunikativ mit dem Kunden auf Augenhöhe zu bringen, handelt es sich um eine „ehrliche“ Kommunikation usw.? Daraus folgt der Doppelcharakter der Definition, bestehend aus Informationsgehalt und Interpretationsgehalt im Weitesten, Beziehungsdefinition im engeren Sinne.

Watzlawick beschreibt Kommunikation mit dem Fokus auf die Wechselwirkungen menschlicher Beziehungen und daher ist seine Definition für die später zu betrachtende Kommunikation zwischen Unternehmen und Kunde von wesentlicher Bedeutung: „[…] vom Standpunkt der Kommunikationsforschung ist die Einsicht unvermeidbar, daß jede Verhaltensform nur in ihrem zwischenmenschlichen Kontext verstanden werden kann und daß damit die Begriffe von Normalität und Abnormalität ihren Sinn als Eigenschaften von Individuen verlieren.“ [4] Niklas Luhmann geht an dieser Stelle in Bezug auf die Medien noch weiter, indem er schreibt, „daß alle Kommunikation auf Kooperation von Bewusstseinssystemen angewiesen ist und deshalb eine wahrnehmbare Form gewinnen muß. Als Kommunikation muß sie in Medien möglicher Wahrnehmung, sei es akustisch, sei es optisch, Form gewinnen.“[5] Das Medium dazu bildet die Sprache. Die audiovisuelle (Unternehmens-)Kommunikation ist darauf angewiesen, um ihre Botschaft einzugrenzen, zu artikulieren, auf den Punkt zu bringen, in Verbindung mit akustischen, optischen, haptischen, gustatorischen oder olfaktorischen Wahrnehmungsmöglichkeiten.

Sowohl bei Watzlawick als auch bei Luhmann klingt die Bedeutung von sozialen Konventionen an, die zwar nicht völlig losgelöst vom Individuum aber durch Tradierungen und Sozialisationsprozess angenommen, verinnerlicht werden. Die enorme Ökonomisierung bis in die letzten „Kapillaren“ der menschlichen Gesellschaft, die besonders im 20. Jahrhundert nie geahnte Ausmaße angenommen hat und die Mediatisierung sind eng mit den diversen Kommunikationsprozessen von Unternehmen, Politik und Kirchen verbunden und wirken entscheidend auf die Wahrnehmungsgewohnheiten, Verhaltensformen und letztlich eben auf Tradierung und Sozialisation ein und dabei wird der Eigenanteil des Individuums verhältnismäßig gering. Watzlawick geht sogar soweit, dass „Kommunikationsstrukturen, sobald sie einmal zustande gekommen sind, ein Eigenleben, demgegenüber die einzelnen Individuen weitgehend machtlos sind“[6], entwickeln. Diese beiden Aspekte, Inhalt und Beziehung stehen miteinander in Verbindung, beeinflussen sich nach Watzlawick monodirektional: „Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, derart, dass letzterer den ersteren bestimmt und daher eine Metakommunikation ist.“

[7] Zusammenfassend lässt sich für die weiteren Untersuchungen sagen, dass Kommunikation als Medium der Manifestationen menschlicher Beziehungen immer in einem sozialen Kontext gesehen werden muss und sowohl eine Inhaltsebene als auch eine beziehungsdefinitorische Ebene besitzt, welche wiederum mit kulturellen Aspekten, gelernten Wahrnehmungs- und Verhaltensmustern verbunden ist und dass letztere die erstere beeinflusst.

 



[1] vgl. Watzlawick, Paul: Menschliche Kommunikation Formen, Störungen, Paradoxien; Verlag Hans Huber Bern; Stuttgart; Wien: 1982; S. 22

[2] ebd. S. 23

[3] ebd. S. 51

[4] ebd. S. 48

[5] Luhmann, Niklas; Fuchs, Peter: Reden und Schweigen; Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1989S. 11

[6] Watzlawick, S. 48

[7] ebd. S. 56

 

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